Uns Uwe

25 November 2010 Text: Björn Fricke
Foto: Matt Boulton / flickr.com unter CC-Lizenz

Eigentlich. Ja eigentlich müsste um unseren Eishockey-Uwe ein ähnlicher Personenkult herrschen wie um den Ehrenspielführer der deutschen Kickerrepublik. Doch in den Köpfen von tausenden deutschen Hobby-Trainern knarzt es hölzern reserviert.

Warum tut sich Eishockeydeutschland so schwer mit ihm?

Von Pepita-Hüten und Alpenvulkanen handelt die Legende des Trainerpantheons der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Krupp wirkt in diesem Rahmen deplatziert. Unspektakulärer Stil, der Mannschaft das Feld überlassend, dem Druck und Skandalen unbeirrt trotzend und dabei immer seinen Job zuverlässig machend. Krupp war zumeist leise, stoisch, zu ruhig für diesen emotionalen Sport. Er passt nicht in das Bild des stets brodelnden Dominator hinter der Spielerbank das Hans Zach prägte wie kein Zweiter. Ein Trainer muss wüten, toben, laut werden und erst recht in Interviews ab und an die Kuh fliegen lassen. Krupp vermied dies immer. Gelegenheiten hatte er viele. Seine Team-Nominierungen brachten Scharen von Eishockeybesserwissern immer wieder der Tobsucht nahe. Einmal platzte ihm der Kragen. Wer erinnert sich nicht an seine an die Fans gerichteten Worte von der WM in Kanada 2008, als er den gegen Funktionär-Dilletantismus wetternden Anhängern ihm Rahmen der Affairen um die Spieler Busch und Holland per Medien den Rückflug vorschlug und sich damit vor eine Truppe stellte, die sich beim 1:10 gegen die kanadischen Topstars bis auf die Knochen blamierte. Vor allem stellte er sich vor Reindl&Co, die eigentlich die Schuld am Fall Holland hatten.

Von Opferbereitschaft und anderen Siegertugenden

Ein absolutes No-Go, mit dem er viele Fans, die tausende Euro investiert hatten für immer vergrätzte. Trotzdem nahm er damit einige Personen beim DEB gezielt aus der Schusslinie. Personen, die zwei Jahre später dafür sorgten das eine Heim-WM gespielt werden konnte, wie es sie in der Geschichte des deutschen Eishockeys noch nicht gegeben hat. Im Endeffekt warf sich Krupp mit dem Gesicht vorweg in diesen publizitären Schlagschuss und steckte dafür ein, wofür eigentlich diverse andere Köpfe hätten rollen müssen.

Dafür war Krupp schon in seiner Spielerkarriere bekannt. Eisenharter Defender, stets die Mannschaft im Blick. Ein Spieler der wirklich für sein Team spielte und nicht für seine eigene Statistik. Ein echter Crunch-Time-Player, der wie kein Zweiter für das deutsche Eishockey in den späten 80er und 90er Jahren stand. Kollege Ort weist pochend auf seine nicht minder erfolgreiche Zeit in den Reihen der Buffalo Sabres hin, aber sein wir mal ehrlich. Krupp setzte sich mit seinem Tor zum 1:0 in der dritten Overtime des vierten Finalspiels gegen die Florida Panthers in den Reihen seiner Colorado Avalanche, umringt von Titanen wie Sakic und Forsberg, sein spielerisches Denkmal. Damals habe ich sogar die Schule geschwänzt um dieses Spiel bis zum Ende live zu sehen, es werden sicherlich einige an diesem Morgen mit “Kruppolitis” verspätet oder gar nicht ihren Pflichten nachgekommen sein.

Als Spieler hat dieser Mann alles erreicht: Er hat den Cup gewonnen, sein Land bei Olympia und Weltmeisterschaften vertreten und wurde ins NHL-Allstar-Team gewählt. Er ist der einzige deutsche Spieler der zweimal den Cup gewann, auch wenn sein Name nur im Rahmen der 96er Championship mit den Avs auf Lord Stanley zu finden ist.

Eine neue Herzensangelegenheit

Nun schließt sich der Kreis und Krupp kehrt zurück in seine Heimat und wie er schon das deutsche Eishockey aus der Bedeutungslosigkeit gehoben hat, so wird er auch den Haien neues Leben einflößen. Krupp polarisiert, aber Krupp ist ein Siegertyp. Seine Methoden werden immer hinterfragt werden und auch selbst in Köln werden nicht alle Hurra schreien das der verlorene Sohn zurückkehrt. Doch sollten es eigentlich alle.

Man weiss erst was man hatte, wenn man es verliert.  Wir bei STARTING6 wissen zu würdigen, was dieser Mann im Rahmen seiner DEB-Tätigkeit sowohl im Juniorenbereich, als auch in seiner Rolle als Bundestrainer für unseren Sport geleistet hat. Nun schreit meinetwegen Zeter und Mordio.

In diesem Sinne, Uwe, vielen Dank für fünf Jahre deutsche Nati, einige weitere im Nachwuchs und eine glücklich geschwänzte Deutsch-Stunde 1996.


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4 Kommentare »

  • alcaeus said:

    “im Rahmen der 94er Championship mit den Avs ”
    1994? Der Titel war 1996 – 1994 hieß dieses Team schließlich noch “Quebec Nordiques”.

  • Björn Fricke (author) said:

    Danke für den Hinweis, hätte mir auch selbst auffallen müssen.

  • alcaeus said:

    Kann passieren. Danke für die Korrektur.

  • JensE said:

    Armer DEB,

    ich werde Ihn jedenfalls vermissen. Was eine WM …

    Bis denn
    JensE

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